Warum teilen wir?

Gemeinschaft initiieren: Weil Teilen die Basis dafür legt, dass selbstbestimmte Menschen Vertrauen zueinander finden und im Einklang mit Anderen Neues erschaffen.

Wenn Menschen sich offen und auf Augenhöhe begegnen und immer dann, wenn Menschen ihre Zeit teilen, die Kraft aufbringen zuzuhören und den Mut aufweisen zu antworten, können gemeinsame Werte und Visionen erkannt werden. Im Wohlwollen für die Mitmenschen, im Verständnis verschiedener Perspektiven und in Solidarität für das als gemeinsam Erkannte werden Ressourcen und Fähigkeiten zu dessen Gelingen geteilt. Dann handeln Menschen nicht nur zusammen, um die jeweiligen Ziele des Einzelnen zu erreichen, sondern sie geben sich einer geteilten Vision hin, sind zugunsten eines gemeinsamen Ziels aktiv und finden in ihrem Tun einen Sinn. Fernab von Erwartungen auf Gegenleistungen, doch dem Halt aus der Gemeinschaft gewahr, tut ein Mensch, was dieser vermag und nimmt, was gebraucht wird. Das Für- und Miteinander der Vielfalt menschlicher Talente kreiert in ihrer Ergänzung eine Fülle an Möglichkeiten für Synergien: Aus Ich, Du und dem Anderen, wird Wir, die Gemeinschaft, die in ihrer Tatkraft zusammenwirkt, um Neues hervorzubringen und um Veränderung aktiv zu gestalten.

Wenn wir die eigene Türe zu einem gemeinsamen Raum weit aufstoßen, kann das Licht eines offenen Menschen hindurchscheinen und gemeinsame Interessen bis in jede Ecke ausleuchten. In Gemeinschaft gestalten wir Freiräume für die Entfaltung von Menschen.

 

Zugänge schaffen: Weil jeder Mensch gleichberechtigten Zugang zu der Vielfalt an Möglichkeiten erhalten sollte, die zurzeit Einzelnen oder bestimmten Gruppen vorbehalten sind.

In einer auf die wahren Bedürfnisse der Menschen eingehenden Wirtschaft, brauchen wir nicht Geld, sondern eine gerechte Verteilung von Ressourcen und Fähigkeiten, um Notwendiges bereitzustellen und Ideen zu realisieren. Allerdings ist der Zugang zu dem, was für die Befriedigung von dringenden Bedürfnissen bis hin zur Verwirklichung von Visionen gebraucht wird, häufig verschlossen. Das wollen wir ändern! Wir verändern die traditionelle Wahrnehmung von persönlichem Eigentum hin zu geteiltem Wohlstand und unterstützt den laufenden Wandel in eine Welt, in der weniger besessen wird und alle mehr Zugang auf Vorhandenes haben.

Wir wollen das Bewusstsein erhöhen, dass andere Menschen auf dieser Erde keinen Zugang zu notwendigen Ressourcen und Fähigkeiten erhalten und ihnen einen würdevolles Leben, insbesondere das Menschenrechte auf Wasser, Nahrung, Obdach, Bildung und/oder Gesundheit versagt ist. Denn Teilen verringert aktiv Armut.

 

 

Verschwendung vorbeugen: Weil der Überfluss unserer Welt zurzeit im Müll landet, retten und verteilen wir diesen und schaffen Bewusstsein für nachhaltige Lebensweisen.

Auf unserer Erde beuten wir nicht nur vielerorts Menschen, Tiere und Natur aus, sondern erzeugen einen so gewaltigen Überfluss, dass große Teile der Produktion, in die Energie, Fleiß und Wasser geflossen sind, ungenutzt im Müll landen. Die Verschwendung führt unser Leben in Widersprüche: Menschen sind obdachlos, während Wohnungen leer stehen. Menschen hungern, während die Mülltonnen voll sind. Menschen frieren, während Kleidung entsorgt wird.

In Bewegungen und Bürgerinitiativen, wie Foodsharing kommen engagierte Menschen zusammen, um ihre Fähigkeiten zu teilen und den Überfluss bedingungslos weiter zu verteilen. Denn auch die Verschwendung von Gütern und Fähigkeiten ist folgenschwer: Unternehmen schmeißen gute Produkte weg und entlassen altgediente Angestellte. Wir werfen viel zu viel weg, das wir nicht mehr wollen oder das defekt ist. Wir fragen viel zu wenige Menschen nach deren Fähigkeiten, Erfahrungen und Wissen. Wir ermutigen zu reparieren, zu recyclen, zu redesignen und wieder zu verwenden. Darüberhinaus fördern wir Produktionsweisen, die im Einklang mit der Natur Fülle anstatt Überfluss schaffen und Ökosysteme für alle Lebewesen bewahren. Und wir gestalten Begegnungsräume, wie die WuppDays und das WuppHaus in denen sich Menschen in Abwesenheit ökonomischer Zwänge im Sinne des Teilens zusammenfinden können.

 

Haben minimalisieren – Sein maximieren: Weil wir aus dem Reichtum der Dinge über die Brücke der gemeinsamen Nutzung in den Reichtum des Teilens gelangen.

In Boxen, auf Dachböden, in Kellern und Schränken schlummert allerlei Zeug, von Kleidung bis Möbeln, ungenutzt vor sich hin. Viele Dinge in unseren Wohnungen und Häusern verwenden wir nur wenige Male im Jahr. Zumal unser Nachbar genau die gleichen Sachen hat. Viele haben zu viel. Und das können wir teilen, indem wir Anreize und Räume für gemeinsame Nutzung fördern (Beispielsweise Free-Shops).

Legen wir die Krücken des Besitztums eine Weile bei Seite, erkennen wir, dass wir frei und aus eigener Kraft laufen können. In diesen Momenten ergibt sich die Einsicht und das Vertrauen in die eigenen Talente und Fähigkeiten und wir entwickeln ein Bewusstsein über unsere Bedürfnisse und Interessen. Hierdurch können wir authentisch auf andere zugehen und es wagen anderen zu vertrauen, um zu teilen, was in unserem Innersten lebendig ist.

Wir wollen nicht teilhaben sondern Teil sein in einem gemeinsamen Leben und diesem mit aller Aufmerksamkeit und Begeisterung, mit der Anstrengung aller Sinne und Gefühle ins Auge blicken. Diese Wahrheit muss stets neu erobert werden: Je mehr wir sind und je mehr wir das, was in uns lebendig ist, produktiv und kunstvoll ausdrücken, desto weniger haben wir und isolieren wir uns in Habsucht.

 

Freude und Glück: Weil es sich wirklich gut anfühlt zu teilen. Sei es weil, wir Freunde finden, einen Sinn in unserem Handeln erkennen oder das Werk des Mitwirkens aufrichten.

Wenn wir zusammen aus Freude schaffen, entstehen glückliche Freundschaften: Wenn wir etwas tun, das uns begeistert und in dem wir einen Sinn erkennen können, tanzt im Innersten eines jeden Menschen die Freude des Lebendigseins – und diesen Frohsinn können wir teilen! In der Verbindung zu anderen Menschen, die wir einladen, ermutigen und inspirieren unsere Freude im reizvollen Tanz der Momente zu teilen, glüht das Glück der gemeinsamen Aktivität. Die Bedeutung des gemeinsamen Tätigseins legt die Glut des Glücks, über der das Feuer der Freude flackert.

Doch Glück kann nicht eingefordert werden, wir können nicht etwas tun wollen, um glücklich zu werden, denn dann würden wir nehmen und nicht teilen. Auch können wir Glück nicht einplanen: Keine Karte kann den Kurs derart darstellen, dass wenn nur am Kurs festgehalten würde, das Leben zielgerichtet ins Glück läuft.

Glück ist die wunderbare Nebenfolge sinnvollen Tuns, streift in einem sanften Wind aus Sinn durch das Gedeihen des Zusammenlebens und begleitet die Entfaltung der Lebendigkeit von Menschen, die in ihrer Vielfalt aufblühen.