Das WuppHaus Bad Dürrenberg macht Pause

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Wie manche von euch vielleicht schon mitbekommen haben ist nicht mehr so viel los im WuppHaus…
Hier könnt ihr lesen warum:
Kurzversion:
Nach über vier Monaten seit dem Einzug war das Resümee, das gezogen werden  konnte, hinsichtlich des baulichen Fortschritts ernüchternd: Es gab kein Dach und es war auch keines in Aussicht. Zwar ergaben sich erste Beziehungen zu lokalen Firmen, die Baumaterialen zur Verfügung stellten, und Menschen brachten regelmäßig ungenutzte Dinge vorbei, die vorher im Keller verstaubten, allerdings war die Energie für ein Projekt, welches die Region in ihrer Gemeinschaft stärken hätte können, zu gering.
Auch die Entwicklung eines strukturierten Konzeptes blieb aus. Dies lag zum einen an der Unsicherheit, die einige Menschen von yunity aufgrund des Zweifels am Projekt selbst umgab, und zum anderen am Desinteresse an Gruppenprozessen und tiefer gehenden Dialogen seitens der mitwirkenden AnwohnerInnen. 
Langversion:
Seit der Errichtung vor über 150 Jahren entwickelte sich im Bahnhofsgebäude in Bad Dürrenberg ein Ort der Gemeinschaft, der allerdings in den vergangenen drei Jahren durch drei Brände ziemlich herunter gekommen war. Insbesondere fehlte im mittleren Gebäude ein Dach. Der Eigentümer und Liebhaber alter Bahnhöfe Bernd Rühl hielt deshalb Ausschau nach einer Gruppe von Menschen, die sich dem Gebäude annehmen und diesem wieder neues Leben einhauchen würde. Dabei stieß er auf yunity, ein Netzwerk, das sich zur Mission gesetzt hatte, Beziehungen zu fördern, in denen Menschen ihre Ressourcen, Fähigkeiten und Zeit bedingungslos teilen. Die Menschen um yunity waren schon seit längerem auf der Suche nach einer permanenten Wirkungsstätte, von der aus die Vision einer auf Selbstbestimmung, Vertrauen und Zusammenarbeit basierenden Gesellschaft aktiv gestaltet werden konnte.
So ergab es sich, dass bereits nach nur einem Treffen von Netzwerk und Eigentümer Anfang November die ersten enthusiastischen Menschen in den Bahnhof reisten und die Lage vor Ort prüften.
Der überwiegende Teil des Bahnhofs war nicht bewohn- bzw. betretbar. Aber im hinteren Gebäude richteten sich die Abenteuerlustigen vorübergehend ein, um zu ermitteln, ob sich das Netzwerk dem großen Projekt annehmen wollte. Klar war, dass der Bahnhof schnellst möglich wieder ein Dach brauchte, um dem Verfall des Gebäudes vorzubeugen.
Allerdings gingen die Meinungen über die Art und Weise des Wiederaufbaus weit auseinander: Einige wollten Geld verwenden, um die nötigen Produktionsmittel zu erwerben. Andere wollten dem Kredo des Teilens treu bleiben und in der Region Beziehungen fördern in denen sich Menschen gemeinsam unterstützen, denn das WuppHaus sollte ein Ort des Teilens zugunsten gemeinschaftlicher Veränderung werden. Neben den Diskussionen über die Grundfragen des Teilens oder Tauschens, stellten sich die neuen BewohnerInnen jeden Tag die Frage, ob das Projekt überhaupt gelingen konnte.
Diese Zweifel sorgten für Missmut unter den AktivestInnen, die aus verschiedenen Teilen Deutschlands, ja aus verschiedenen Teilen der Welt kamen. Außerdem gab es kein klares Konzept dafür, wie aus einem baufälligen Bahnhof wieder ein Gemeinschaftsort entstehen konnte. Ein solches Konzept sollte nämlich zusammen mit den Menschen aus Bad Dürrenberg entworfen werden. Hierzu veranstaltete yunity einen Bürgerdialog und erstellte eine Umfrage, die sich an alle Interessierten der Stadt Bad Dürrenberg richtete. Zum offenen Dialog erschienen ca. 20 Menschen aus dem Ort und an der Umfrage beteiligten sich gut 50 Menschen. Außerdem wurde mehrfach der Kontakt zu den lokalen PolitikerInnen gesucht und in das WuppHaus zum Zusammenwirken eingeladen. Auf einen Besuch der Bad Dürrenberger PolitikerInnen warteten die Mitwirkenden allerdings vergebens. Einzig der Grünenpolitiker Sebastian Striegel aus Merseburg kam vorbei und sicherte seine Unterstützung zu.
Seit den ersten Tagen kamen AnwohnerInnen in das WuppHaus und begeisterten sich für die neue Entwicklung in der Stadt. Bald kamen zwischen 10 und 20 Menschen täglich, die tatkräftig dabei mithalfen, Notsicherungsmaßnahmen am Gebäude vorzunehmen.
Über den ersten Arbeitseifer vergaßen die Menschen vor Ort allerdings eine geteilte Vision einzustimmen und sich dann selbstorganisiert zu koordinieren. Vielmehr entstand ein stetes Rumgewusel, bei dem keiner genau wusste, was der andere tat. Es wurden vorschnell Aufgaben erledigt, die der Einzelne als wichtig ansah, wobei allerdings die Nützlichkeit für das Gesamtprojekt aus dem Auge verloren wurde. Ohne einen abgesprochenen Plan wurden die Küche beispielsweise dreimal wiederholt an unterschiedlichen Plätzen aufgebaut, Werkzeug wurde verlegt und es entstand Frust bei den Mitwirkenden. Hinzu kam, dass es immer kälter wurde und die Menschen, die nun im Bahnhof lebten, gegen die Kälte ankämpfen mussten. Außerdem löste der Staub bei einigen der Beteiligten gesundheitliche Probleme aus.
Auch die Entwicklung eines strukturierten Konzeptes blieb aus. Dies lag zum einen an der Unsicherheit, die einige Menschen von yunity aufgrund des Zweifels am Projekt selbst umgab, und zum anderen am Desinteresse an Gruppenprozessen und tiefer gehenden Dialogen seitens der mitwirkenden AnwohnerInnen.
Insbesondere gab es in der Art und Weise, wie Planungs- und Gruppenbildungstreffen durchgeführt werden können, zwischen den AnwohnerInnen sowie den Mitgliedern des yunity-Netzwerkes größere Unterschiede, welche diese Prozesse schwierig gestalteten. Es fehlte das Interesse an und die Konzentrationsfähigkeit für Meetings. Hierdurch scheiterten die Versuche, eine Struktur des gemeinsamen Tätigseins aller Mitwirkenden entstehen zu lassen.
In den Wintermonaten ergaben sich nur wenige gemeinsamen Aktivitäten von yunity Netzwerk und AnwohnerInnen. Es entwickelten sich daher schnell zwei Gruppen innerhalb des Hauses, die miteinander kooperierten, aber nicht an einem gemeinsamen Strang zogen. Innerhalb dieser Gruppen ergaben sich mehrere soziale Konflikte, sowohl bei den AnwohnerInnen, als auch innerhalb der yunity-Gruppe, bei denen einige InitiatorInnen dem Projekt bereits wieder abgesagt hatten. Nur wenige AktivistInnen hielten an dem Traum von einem Wiederaufbau durch das Teilen fest, was soviel bedeutete wie kein Geld für Baumaterialen oder Dienstleistungen auszugeben, sondern nach solidarischen Beziehungen in der Region zu streben. Hierzu wurde noch Mitte Januar ein Plenum abgehalten, zu dem auch Mitglieder des ortsansässigen Rumrollen e.V. kamen, und im Februar ein Spieletag organisiert, doch die Energie der Beteiligten ebbte kontinuierlich ab.
Nach über vier Monaten seit dem Einzug war das Resümee, das gezogen werden  konnte, hinsichtlich des baulichen Fortschritts ernüchternd: Es gab kein Dach und es war auch keines in Aussicht. Zwar ergaben sich erste Beziehungen zu lokalen Firmen, die Baumaterialen zur Verfügung stellten, und Menschen brachten regelmäßig ungenutzte Dinge vorbei, die vorher im Keller verstaubten, allerdings war die Energie für ein Projekt, welches die Region in ihrer Gemeinschaft stärken hätte können, zu gering.
Vom yunity Netzwerk verweilten nur noch 2-4 Menschen im Haus und versuchten das Projekt voran zu bringen. Dabei schwankten die Verbliebenen zwischen Aufgaben der sozialen Arbeit, dem Versuch das Projekt lebendig zu halten und für sich selbst Sorge zu tragen. Nach einigen kräftezehrenden Wochen wurde dann jedoch schnell klar: Es braucht eine solide Gruppe, die in ihren Fähigkeiten breit aufgestellt ist, um einen so baufälligen Ort, wie den Bad Dürrenberger Bahnhof wieder aufzubauen und sich gleichzeitig der sozialen Probleme, die das Leben der Stadt kennzeichneten, anzunehmen. Und diese Gruppe gab es zurzeit nicht. Deshalb entschloss sich das yunity-Netzwerk im März das Projekt vorerst offiziell zu pausieren, um in der kommenden Zeit nach Menschen zu schauen, die als Gruppe den Bahnhof wieder aufrichten wollen.
Allerdings wollen sich die Menschen, die unter dem Namen yunity das Projekt WuppHaus Bad Dürrenberg initiiert hatten, nicht einfach aus der Verantwortung stehlen. Von ein paar der Initiatoren wurde ein weiteres Interesse und eine Verbundenheit zu dem Ort und den Menschen der Umgebung bekundet und weitere Unterstützung im Falle einer soliden Gruppe bekundet. Zumal immer noch Menschen täglich zu dem Ort kommen und an diesem wirken. Aus dem Netzwerk bewacht noch ein Mensch das Haus und auch Bad Dürrenberger schauen regelmäßig nach dem Rechten im Bahnhof.
Die gemeinsame Zeit des Winters 2016/17 im Bad Dürrenberger Bahnhof war für alle Beteiligten ein wertvolles Erlebnis. Es wurden freundschaftliche Kontakte zwischen reisenden AktivistInnen und lokalen Engagierten geknüpft und das Thema des Teilens statt Tauschens erhielt Einzug in zahlreiche Dialoge, die Menschen zu neuen Ideen inspirierten. Alle Mitwirkenden sind um eine einmalige Erfahrung reicher geworden.

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